In den Augen des Abenteuers

Abenteuer. Ein gigantisches Wort. Ein Begriff, der so viel auslöst, wenn man ihn hört: Spannung, Vorfreude, Erinnerungen, das an die Grenzen kommen. 

Doch was ist Abenteuer? Was ist es und vor allem: Warum braucht ein Mann sein Abenteuer?

 

Zuerst: Es ist ein grossartiges Gefühl, wenn du einen Vulkan emporsteigst, dich in eine Schlucht abseilst, irgendwo an einer Gebirgswand hängst oder dich durch den Dschungel kämpfst. Wenn dir das Salzwasser auf hoher See mitten ins Gesicht peitscht, du die Geräusche des Waldes bei Nacht um dein Zelt herum hörst oder zum ersten Mal ein Motorrad fährst. Und dabei ist es nicht nur das Adrenalin. Es ist der Umstand, dass du dich für das Abenteuer entschieden hast. Es ist, dass das Leben um dich herum nicht einfach nur passiert, sondern dass du dich in die Situation des Abenteuers begeben hast. 

 

Ich selber bin kein Musterbeispiel, wenn es um riesige Abenteuer im klassischen Sinne geht: Ich schlafe nicht gern in Zelten, ich wandere nicht gern, ich reise nicht übermässig gern. Ich klettere nicht und ich bin kein Pirat.
Doch bedeutet das, dass ich kein Abenteuer brauche? Dass ich kein Abenteurer bin? Oh nein.


Eines meiner grossen Abenteuer möchte ich euch erzählen.
Als Kind hatte ich grosse Angst vor Gewittern. Diese Angst hat sich während meinen jungen Teenager-Jahren in Faszination verwandelt...


Es war am späten Abend eines Sommertages im Jahr 2009. Das mächtigste Gewitter, an das ich mich seit jeher erinnern mag, fegte gerade über das Dorf in dem ich wohnte. Ich war in meinem Zimmer. Die Blitze gingen so dicht aneinander, dass das ganze Dorf fast ununterbrochen in weisses, flackerndes Licht, das an den Häusern grosse dunkle Schatten entstehen liess, gehüllt war.
Ich musste raus.
Ich schnappte mir den Schlüssel meines 300-Franken Fiestas und eilte vom Haus durch den Regen zum Autounterstand. Ich sprang hinein und hielt mich am Lenkrad fest. Dann überlegte ich mir nochmals kurz, was ich da genau tat. Doch ich wusste, wenn ich zu lange überlegen würde, dann wäre die Chance zu gross, dass ich wieder ins Haus ginge. Also startete ich den Motor.
Der Regen prasselte so heftig auf das Autodach und die Motorhaube, dass er wie ein nie endendes Schiessgefecht klang. Der Scheibenwischer hatte keine Chance mit den Wassermassen fertig zu werden. Wild schlug er hin und her, doch die Scheibe wurde vor zu überflutet.

Ich bog in die Hauptstrasse des Dorfes ein. Kein einziges Auto, geschweige denn ein Fussgänger war zu sehen. Das Dorf schien wie ausgestorben. 
Ich fuhr in Richtung des Hügels, der an das Dorf grenzte. Ich wollte näher an das Gewitter, ich wollte mitten hinein. Je höher ich fuhr, desto heller wurden die Blitze. Der Donner war nun nicht mehr ein dumpfes Grollen, sondern ein helles, zerreissendes Krachen. Immer wieder reckten sich bläulich-weisse Lichtbögen, die sich in die Wolken hinein verästelten vom Boden empor. Mal hinter mir, mal neben mir und mal direkt vor mir.
Die Atmosphäre, die mich umgab, war tiefgrau. An manchen Stellen schien violett hindurch zu schimmern. Durch die Lüftung des Wagens drang die feuchte, nach nassem Asphalt und mit Regen getränkten Feldern riechende Luft hinein. Mir voraus wanderte ein nur knapp den Boden erreichender, oranger Lichtkegel der Scheinwerfer über die Strasse.

Als ich auf dem obersten Punkt des Hügels ankam, schaltete ich den Motor aus.

Der Wind rüttelte jetzt an der Seite des Wagens und durch die Scheiben zuckte das grelle Licht in unregelmässigen, kurzen Abständen, begleitet von klirrendem Donner, der den ganzen Hügel unter mir zum zittern brachte. 
Dann, fast unmittelbar neben mir, schlug ein gewaltiger Blitz mitten in die Wiese, auf welcher die hohen Gräser wild vom Sturm umher geworfen wurden. Der kalte Schauer, der mir den Rücken hinunter lief, löste sich in einem Kribbeln, das durch meinen ganzen Körper fuhr, auf. Nervenkitzel. Die Natur spüren. Ich fühlte mich lebendig. Das Abenteuer sass mit mir im Auto. Das werde ich nie vergessen. 

 

Neugier, Risiko, Mut, Entdecken. 

Denken wir darüber nach: Als Kind bestand unser Alltag hauptsächlich aus Entdeckungen und Abenteuern. Alles wichtige, was wir jemals über das Leben gelernt haben, haben wir durch das Spielen, durch das Entdecken gelernt. Es ist in uns allen. 

Als erwachsene Männer wird unser Alltag meist gefüllt von der Arbeit, der wir nachgehen. Und das ist gut. Sehr gut sogar. Vorausgesetzt, dazwischen befinden sich Abenteuer. Das Abenteuer ist nicht nur Nervenkitzel- durch Abenteuer lernen wir uns kennen. Abenteuer ist das in der modernen Gesellschaft womöglich am meisten negierte Element eines erfüllten Lebens. Obgleich es eines der wichtigsten ist. 

 

Es ist es an der Zeit, dass wir das Element des Abenteuers zurückerobern. Das Element, das unsere Vorfahren dazu gebracht hat, Ozeane und riesige Weiten unbekannter Gebiete zu überqueren, ohne auf eine Rückkehr zu hoffen. Wir müssen wieder Risiko in unser Leben holen. Wenn wir das Leben wirklich mit Abenteuer leben wollen, müssen wir den wagemutigen Entschluss fällen, unsere bloße Existenz zu packen und mit ihr an den Abgrund unserer Möglichkeiten zu wandern. Die Schlucht des Vertrauten zu überqueren. In den Dschungel des Ungewissen einzutreten.

Weisst du, die Zukunft enthält ohnehin keine Garantie für Sicherheit, Wohlstand und Glück- auch wenn wir uns das manchmal einreden. Doch es gibt ein erfülltes Leben. Es passiert nur nicht einfach. Es will gefunden werden. Und zwar da draussen. Zwischen den Blitzen, auf dem Berggipfel, auf hoher See. 

 

Mani

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