Ich will ein "gestandener" Mann sein - Was bedeutet das überhaupt?

Ich werde es nie vergessen: An einem Nachmittag sass ich ganz alleine mit meiner Grossmutter namens Anny Flütsch zusammen. Sie sass auf ihrem Sessel und ich stellte mich mit einem Stuhl gegenüber von ihr. Wir waren in ihrer übermässig geheizten Wohnstube und ich wollte einfach von ihr lernen. Die ältere Generation hat solch einen grossen Schatz an Erfahrungen und ich finde es dumm und verschwenderisch, wenn ich nicht davon Gebrauch mache.

 

Deshalb stellte ich ihr die eine grosse Frage, die mir schon lange auf der Zunge brannte:

 

"Was würdest du anders machen, wenn du auf dein Leben zurückblickst?"

 

Nach langem Überlegen blickte sie mir tief in die Augen und sagte folgendes:

 

"Ich kann nicht mehr. Ich würde sagen, dass ich nicht mehr arbeiten kann."

 

Meine Grosseltern und ich (Anny Flütsch ganz rechts)
Meine Grosseltern und ich (Anny Flütsch ganz rechts)

Wow. Ich bewunderte meine Grosseltern immer für ihr aufopferndes Dienen und Arbeiten. Was gibt es in der Schweiz tugendhafteres als hart zu arbeiten? Und nun sagte sie mir, dass sie weniger arbeiten würde...

 

Wenn ich heute darüber nachdenke, merke ich, wie prägend ihre Antwort für mich war. Es geht nicht darum, jetzt einfach möglichst wenig zu arbeiten und planlos in der Gegend herum zu irren. Stattdessen fing ich mir an die Frage zu stellen, wofür und warum soll ich weniger arbeiten?

 

Ziemlich schnell merkte ich, wofür ich weniger arbeiten will:

 

Meine Familie.

 

Nichts in diesem Leben erfüllt mich mehr, als Zeit mit meinen Engsten zu verbringen. Von ihnen werde ich bedingungslos angenommen, egal wie viel ich arbeite und zustande bringe. Sie freuen sich mit mir, wenn ich Erfolge feiere und erinnern mich bei Rückschlägen daran, dass das Leben mehr ist, als möglichst viel zu erreichen. Ja, weniger zu arbeiten, um mehr Zeit für die Familie zu haben, ist ein ehrenvolle Sache. 

Wenn ich später Kinder habe, will ich mir genug Zeit nehmen, um in ihr Leben zu investieren. Schliesslich bringt es mir nichts, wenn ich jetzt etwas aufbaue, an dem meine Kinder nicht weiterbauen können, weil ihnen der Charakter dafür fehlt.

 

Natürlich frage ich mich immer wieder, was es bedeutet, hart zu arbeiten und trotzdem genug Zeit für die Familie zu haben. Ein ehrgeiziges Ziel wird mir ja auch nicht geschenkt...

Dafür gibt es - meiner Meinung nach - keine goldene Regel. Jeder Mann muss das für sich selbst herausfinden. Ich glaube, ein Schlüssel ist das Gespräch mit anderen Männern, die das Leben und die Familie so führen, wie wir das auch machen wollen.

 

Ein "gestandener" Mann zu sein, bedeutet einfach, für etwas zu stehen und es zur Priorität zu machen. Ich weiss wofür ich stehe:

 

Meine Familie.

 

Altes Familienfoto: Meine Schwester (mit blauem Hut) und ich hatten gerade gestritten...
Altes Familienfoto: Meine Schwester (mit blauem Hut) und ich hatten gerade gestritten...

 

Wofür stehst du?

 

 

Mit kräftigem Händedruck,

 

Brauni

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