Influencer-Wahn?

Zeit dieses Thema zu adressieren: Unsere Influencer-Kultur.

 

Sie sind überall. Zu jeder Tages und Nachtzeit. 
Die Influencer.
Zumindest zeigt das ihr Profil: Am Montag den letzten Schrei einkaufen in Paris, am Mittwoch mit der Gondel übers nach Fisch riechende Wasser in Venedig und am Wochenende ein wenig Sandkörner zählen am schneeweissen Sandstrand auf Mauritius. Perfekt geschminkt aufwachen, der Kaffe wird nur mit Barista-Kunstwerk-Schaum getrunken, ein ordentliches Fitnessprogramm ist pflicht- aber natürlich schweissfrei abgelichtet, ein Salatteller, der wie ein Gemälde aussieht und dann eine Caption unter die Fotos, die fragt: "Und was macht ihr heute so?" Ach wenn du wüsstest, lieber Influencer... ich sitze gerade mit zerzausten Haaren auf dem Sofa und habe heute morgen noch GAR nichts gemacht, ausser deinen künstlichen Post zu lesen. 

Ja, das schillernde Leben in Bildern, das oft "I want to live my life to the fullest" (etwa: "Ich möchte mein Leben in vollen Zügen geniessen") als Überschrift erhält. Der Influencer-Lifstyle, der so anziehend wirkt. So abenteuerlich, so spannend, so leicht und fröhlich, so bedeutsam.

Und ja, ich verstehe das. Ich meine, wer möchte Fotos davon sehen, wie man zu Hause in den Baggies auf dem Sofa herumhängt? Oder nach 5 Minuten Sport bereits verschwitzt ist wie Usain Bolt wenn er mit 50km/h zehn Ovale gesprintet ist? Oder von Kaffee ohne Schaum in einer normalen Tasse auf einem normalen Tisch in einer normalen Küche? Und wen interessiert es, dass du am Samstag nur ein paar Bananen-Joghurts und Brötchen für Sonntag einkaufen gehst in die Migros anstatt exzessives Fashion-Shopping bis 17 Tüten voll sind in New York? Ja, genau. Man möchte die schönen und speziellen Dinge im Leben teilen, nicht die alltäglichen. Das leuchtet ein. Früher hatte man ein Fotoalbum- und auch in dieses klebte man schliesslich die schönen Fotos ein: Die schlechten Fotos wurden sogar bereits bei der Entwicklung weggeworfen, dass man sie nicht bezahlen musste. Und ich verstehe auch, dass wir Social Media als Kanal verwenden, um uns auszudrücken. Vielleicht manchmal sogar um uns zu definieren

 

Doch nochmals zurück.
Der Begriff Influencer ist doch eigentlich irreführend. Übersetzt heisst das nämlich "Beeinflusser". Doch was ist denn nun ein Influencer wirklich? Und was nicht?

Sicher kennt ihr den Begriff "Celebrity" ("Bekanntheit"). Dieser Begriff ist uns viel geläufiger und wir verstehen, was damit gemeint ist. Beim Influencer dagegen wissen wir manchmal nicht so recht, wo wir ihn hinpacken sollen. Und ich sage es jetzt gerade heraus: Ein Influencer ist ganz einfach eine Internet-Celebrity, also eine Internet-Bekanntheit. Viele Menschen kennen diese Bekanntheiten durch ihre Aktivität im Internet bzw. auf Social Media. Und genauso wie Celebrity's oft für Marken Werbung machen, tun das auch Influencer. Sie zeigen uns die neuesten Uhren, den feinsten Protein-Riegel und die beste Gesichtscreme. Der Unterschied zur Celebrity liegt einzig darin, dass ein Influencer seine Bekanntheit nicht durch z.B. Film, Musik, oder Rennsport erreicht hat, sondern durch seinen Content auf Social Media. 
Wer keine Werbung macht, der ist übrigens nicht Influencer, sondern "Content-Creator", also "Inhalt-Erzeuger".

 

Influencer = Beeinflusser?

Kennst du die grossen Titel auf Instagram? Den zum Beispiel: TRANSFORMATION.
Auf Instagram meistens mit Gewichtsreduktion oder Muskelaufbau verbunden. Ja, sicher, könnte ich auch brauchen, sowas. Aber hast du schon mal über Transformation in deinen Gedanken nachgedacht? Oder in deinen Gewohnheiten? Deinem Charakter? Ich weiss. Guten Charakter kann man halt schlecht fotografieren. Und dennoch wird es dir nichts nützen, wenn du top aussiehst, aber nie gelernt hast, dich selber zu lieben.

 

Doch wie ist es denn nun mit dem Beeinflussen? Sicher inspirieren sowohl Content-Creators als auch Influencer die Leute, die ihnen folgen. Und Inspiration kann man sicher als Einfluss einstufen. Doch es gibt da noch einen dritten im Spiel. Meistens weniger Follower, weniger Likes, weniger funkelnde Fotos aber mehr Tiefe. "Thought Leader", also "Gedanken-Leiter" nennt man diese Mitstreiter. Das hast du wahrscheinlich noch nie gehört, habe ich recht?

Influencer werden gesehen, Thought Leaders werden gehört. Wer Influencern folgt, der möchte meistens eher etwas kaufen, wer Thought Leadern folgt, der sucht Hilfe im Entscheidungen Treffen, Probleme lösen oder darin, Neues zu erreichen. 

 

So nun weisst Du's.
Und was fängst Du nun damit an? Du kannst mit diesen Informationen machen, was Du willst. Ich denke aber, das Beste ist es, wenn Du dich nicht durch fette Followerzahlen beeindrucken lässt, sondern Dir diesen Inhalt suchst, der Dir wirklich etwas bedeutet und der Dich weiterbringt. Inhalt mit Qualität. Denn so ist es oft: Hits werden heute nur Hits, weil die Radiosender sie so oft spielen, bis sogar die Moskitos in deinem Zimmer die gleiche Melodie mit den Flügeln schlagen und nicht weil die Musik etwa tatsächlich gut wäre (zugegeben, ihr hört da auch ein wenig meine Vorliebe zu älterer Musik heraus). Und Mode ist erst dann Mode, wenn sie die meisten Leute tragen- egal wie es aussieht.

 

Ist Influencer ein Beruf?

Ich persönlich finde, dass Influencer zu sein genauso wenig ein Beruf ist, wie Berühmt sein. Der Beruf dahinter ist das Werk, z.B. Fotografie, Tutorials, Reviews, Reiseideen, etc. und die Arbeit und das Können, es den Menschen gut zu präsentieren. DAS ist der Beruf hinter dem Influencer-Sein. Genauso wie die Schauspielerei der Beruf hinter dem Fim-Star ist und das Instrument erlernen hinter dem berühmten Musiker. Und das ist das, was wir unterscheiden müssen. Und genauso bedingt wie du als Schauspieler richtig erfolgreich wirst, ist das auch beim Influencer sein. Es braucht ein wenig Glück.
Ach und übrigens: Influencer-sein mitsamt der Kritik daran ist auch gar nichts wirklich Neues: Es gab schon seit jeher Berühmte Menschen und Leute, die deren "Arbeit" nicht verstanden. Im Song "Money for Nothing" von den Dire Straits wird genau das behandelt. Und der Song ist aus den 80gern.

 

Was denkst du über das Influencertum? Findest du Influencer-Sein ist bald ein anerkannter Beruf? Was würdest Du einem Kind sagen, wenn es von der Schule nach Hause kommen würde und zu Dir sagen würde: "Papa, ich werde jetzt Instagrammer. Vielleicht auch Youtuber!"? Gibt es hier Influencer, die gerne etwas dazu sagen würden? ;)

 

Wie seht ihr das? Ich würde mich über eure Meinung sehr freuen!

Mani

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Kommentare: 1
  • #1

    Brauni (Sonntag, 12 Mai 2019 21:26)

    Genialer Beitrag! Haha beim „Fliegenbeispiel“ musste ich laut auflachen �

    Ehrlich gesagt würde ich meinem Kind als erstes sagen, dass ich sie/ihn bei allem unterstütze, dass ihr langfristig gut tut und sie glücklich macht. Dann würde ich aber folgende Frage stellen: Warum möchtest du das machen? Geht es nur um dich, oder möchtest du auch etwas der Welt mitgeben? Ich hoffe, dass ich mit dieser Frage mit meinen Kind in eine geniale Unterhaltung übers Leben komme, und ich ihre/seine Wünsche besser verstehe. Das würde ich tun :)